GIN Urlaubsbauernhof Unterlembach
 

 

1999 - 2001

 

Fotos aus Unterlembach:

 

Mitschnitt am Stammtisch im Gasthaus Leitner / Unterlembach
Ich frag mich doch wirklich, was treibt denn diese Leute dazu, den Sommer mit solchen Klienten im Waldviertel zu verbringen??
Diese Leiterin zum Beispiel, hat doch ein Studium absolviert, Lehrerin sein ist doch schon was im Leben, die wohlverdienten Weihnachts-, Oster- und Sommerferien, Arbeit mit interessierten, motivierten jungen Menschen, die sich selbständig organisieren können...
Warum fährt sie denn nicht einfach auf Urlaub und lässt sich's gut gehen??
Istīs wirklich nur die Langeweile, oder das Konto, na wahrscheinlich kein anspruchsvoller Lebenspartner, mit meiner könnt ich das nicht, die würdī mir das nicht erlauben.
Ich mein, weiß nicht, wenn sie gewusst hätten, wie das ist, ob sie sich drauf einlassen hätten? Wahrscheinlich haben sie geglaubt, sie können da residieren auf dem Hof und alle möglichen Besuche empfangen und halt ein bisserl helfen und kochen,.. - jaja
Es kann doch sicher nicht sein, dass ihnen die Zuständigen nicht reinen Wein eingeschenkt haben, die kenn ich doch, die reden sonst nie herum, oder doch??
Na, die erste Woche, das war schon schwer, da habens noch Möbeln umgestellt und versucht, eine Ordnung in das Haus zu bringen, dann haben ihnen die Klienten eh wieder alles "umorganisiert".
Und sie haben z.B. geglaubt, sie können schlafen im Nachtdienst, ich hab das ja mitgekriegt, die ganze Nacht immer wieder Licht, alle 5 Minuten ist wer aufs Klo gegangen.
Oder kaum sind die letzten am Abend ins Bett, waren die ersten in der Früh schon wieder da.
Andererseits sie haben sich's schon auch gut gehen lassen, über meine Frau hab ich erfahren, dass die ganz gut kochen, halt nur a bisserl seltsame Sachen - Krautstrudel oder Spinatnockerl - ich sag dir, mit so was braucht mir meine Frau net kommen.
Gegrillt, sagst, jaja, gegrillt habens schon auch oft, das war sicher was Gscheiteres...
Ich glaub, es hat ihnen schon auch Spaß gemacht, viel Zeit im Freien, in der Natur, mit viel Platz zu verbringen, ja und Pferde haben sie ja auch gehabt, um die sollen sie sich ja fast mehr gekümmert haben, als um die urlaubenden Klienten. Na ja, ich mein, letzten Endes haben sieīs ganz gut hingekriegt mit den Klienten, aber es waren schon auch harte Wochen dabei - meiner Seel! Da sind sie aus dem Putzen und Wäschewaschen und Duschen gar nimmer rausgekommen.
Stimmt net, sagst, na ja eigentlich hast recht, fast jede Woche sinds einmal zum Ottensteiner Stausee gefahren, egal, wie das Wetter war nur weil alle einmal Schifferlfahren wollten. Sogar mit einer schwierigen Partie, ich weiß eh nicht, wie sie sich das vorgestellt haben, zu Viert mit 2 Rollstühle und 5 Klienten, die Hilfe beim Gehen brauchen. Wenn da nicht zufällig eine Gruppe militärischer Würdenträger am Schiff gewesen wäre, die ihnen geholfen hätten...
Glück, meinst, na ich weiß nicht, die haben sich schon immer auf was einlassen, einmal sinds ja mit einem Ausflugs-Schiff mitgefahren, in der Annahme, die Fahrt dauert nur eine halbe Stunde, dann warens zwei Stunden unterwegs.
Na, die Klienten haben sich angeblich gleich aufs ganze Schiff verteilt, andere Passagiere kontaktiert, mit dem Kapitän geplaudert, Tschik hergeschenkt und von einer anderen Behindertengruppe, die brav in den ersten drei Reihen des Oberdecks gesessen ist, Getränke geschnorrt.
Das Personal im Seerestaurant, die waren schon oft gefordert, mit den ganzen Spezialwünschen, und wie dann eine sich dauernd das T-Shirt ausgezogen hat ...also...
Aber sonst, sie sind ja gerne Kegeln gegangen, ins Bad oder Pferdekutsche-Fahren oder sie sind da zu uns herkommen und haben in 5 Sekunden ihren Kaffee runtergeleert, ja, ich mein a wirtschaftliche Belebung warens schon auch.
Und was sich die immer angetan haben mit einkaufen gehen und immer wen mitnehmen, ich mein bei uns mit solchen Leuten, die lassens doch daheim vom Einkaufen, na das habens schon sehr engagiert gemacht, ich habs ja auch am Stadtplatz getroffen, ganz nobel, beim Eiskaffee...
Weißt, wenn ich amal nimmer beinand bin, so einen Urlaub tät ich mir schon wünschen, mit lauter feschen Madln - es warn ja fast nur Weiberleut da - na stell dir das einmal vor!!!
Und ich sag dir, die haben wirklich fast immer a gute Stimmung gehabt, obwohl sie sich so plagen haben müssen, die Menscha.
Da wärīma gut versorgt, die sind ja auch gleich ins Krankenhaus gefahren mit der einen, die mit der Weihnachtsmannmütze, wie sie sich den Kopf aufgehaut hat, ich hab dann mit dem Doktor geredet, der ist ein Freund vom Schwager, na das muss ja eine Prozedur gewesen sein....
Und der Herr Bruno, der ihnen 2x ausgebüchst ist, einmal hat ihn doch glatt die Gendarmerie wieder gefunden, und am letzten Tag, wo er schon heimfahren sollt, habens glaubt, er ist schon wieder weg und sind gleich die ganze Gegend abgefahren, ob er irgendwo auf einem Feldweg herumspaziert,
daweil ist er schon eine halbe Stunde im Bus gesessen und wollt heimfahren,
das war eine Aufregung.
Na und mit dem Wetter, da habens ja ein Glück gehabt, der Juli und der August waren ja wunderschön und so warm.
Ja, bei uns im Waldviertel ists halt fast wie in der Toscana!

Na dann, pfirt di, bis morgen.

(Martina Knopp)

 

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