Grundsätze

Normalisierung

Das Prinzip der Normalisierung besagt, dass Menschen mit einer intellektuellen Behinderung die Möglichkeit geboten sein muss, sich "normal", d.h. ebenso wie alle anderen Mitglieder der Gesellschaft verhalten zu können.
Normalisierung heißt aber nicht Normierung.
Ein Leben das sich in allen Alltagsbedingungen und Lebensvollzügen nicht von den gesellschaftlich anerkannten Lebensweisen anderer Menschen unterscheidet, ist gekennzeichnet durch:

   - Normalen Tagesablauf
   - Normalen Wochenrhythmus
   - Normalen Jahresrhythmus
   - Normalen Lebenslauf
   - Leben in einer zweigeschlechtlichen Welt
   - Ansehen und Respekt
   - Normalen materiellen Lebensstandard
   - Normale Standards bei Wohnen und Arbeit

Neben dem Normalisierungsprinzip ist die Erweiterung in Richtung, Aufwertung der Sozialen Rolle (Wolfensberger) als Ergänzung wesentlich. Dabei soll die Gefahr des Normalisierungsprinzips als einseitige Anpassung des behinderten Menschen an die Gesellschaft und ihre Normen vermieden werden. Es geht vielmehr darum, mit dem Einsatz kulturell positiv bewerteter Mittel, dem Menschen eine positiv bewertete Rolle zu ermöglichen. Dies betrifft die Aufwertung sozialer Images und die Aufwertung sozialer Kompetenzen. In der Theorie der Aufwertung der sozialen Rolle nach Wolfensberger soll Normalisierung nicht als "Wert" an sich gesehen werden, sondern es werden Kriterien definiert (und viele dieser Kriterien entsprechen dem Normalisierungsprinzip), die es ermöglichen, besser integriert und anerkannt, in einer Gesellschaft leben zu können.

Selbstbestimmung

Einer der wichtigsten und entscheidenden Bereiche in der Arbeit mit Menschen mit geistiger Behinderung ist die Entwicklung des Selbstbildes, des Selbstwertgefühls und der Ich-Stärke.
Selbstbildnis und Selbstwertgefühl werden maßgeblich durch das Maß an Autonomie, die einem Menschen zugestanden wird, beeinflusst. Diese Autonomie kann sowohl Entscheidungs- als auch Handlungsautonomie sein, und ist je nach Sozialgeschichte verschieden.

Erst das Erleben von Autonomie führt - oft auch stark verzögert - zur Freisetzung von Eigenaktivität und zum Erleben der eigenen Kompetenzen. Das wirkungsvollste und wichtigste Instrument ist das Anbieten von Wahlmöglichkeiten und in Folge die Schaffung eines autonomen Handlungs- und Entscheidungsraums.
Voraussetzungen dafür sind Wertschätzung und unbedingte Annahme der Person, so wie sie ist, das Respektieren der Sicht und der Entscheidungen des Klienten.
Weiters bedarf es gerade bei hospitalisierten Menschen, eines hohen Ausmaßes an Einfühlungsvermögen, Signale und Handlungen als Willensäußerungen richtig zu interpretieren.
Es geht bei diesem Prozess um Vertrauen in die Fähigkeit der Person, ihr Leben in eigener Regie gestalten zu können.

Begleitung unter der Berücksichtigung der individuellen Lebensqualität

Nach BECK (1992) zielt die Verwendung der Perspektive Lebensqualität neben der Förderung von Kompetenzen und der Verwirklichung normaler Lebensbedingungen darauf ab, die Respektierung von Bedürfnissen und die Verwirklichung eigener Perspektiven von einem sinnvollen Leben als Ziel auf der personalen Ebene umzusetzen. Somit beinhaltet Lebensqualität auch die Befriedigung der Bedürfnisse nach Selbstverwirklichung in der Entwicklung und Gestaltung der Beziehung zur Umwelt, nach sozialer Zugehörigkeit, nach Teilhabe und Anerkennung, nach Selbständigkeit. Sie bemisst sich daher an der Verwirklichung der individuellen Bedürfnisse und der Gestaltung der Beziehung zur Umwelt, die das eigene Entscheiden und Urteilen einschließt.

Integration

Integration wird auf verschiedenen Ebenen verwirklicht:

Physische Integration ermöglicht den direkten Kontakt zwischen Nicht-Behinderten und Behinderten und lässt sich durch die Wahl des geeigneten Wohnorts leicht bewerkstelligen.
Funktionale Integration bedeutet Teilnahme am öffentlichen Leben, die gemeinsame Nutzung der Ressourcen der vorhandenen Infrastruktur. Die funktionale Integration sollte durch die Umsetzung des Normalisierungsprinzips weitgehend erfüllt sein. Ein sehr wichtiger Punkt bei der Teilnahme am Gemeinschaftsleben ist, dass den KlientInnen die Information darüber, was in ihrer nächsten Umgebung passiert und angeboten wird, zur Verfügung steht.
Soziale Integration setzt Kommunikation voraus, bedeutet Lernen von Normen und Rollen, Verständnis und den Willen zum Zusammenleben. Sie erfordert von der Gesellschaft Offenheit und den Willen zur Annahme, aber auch von KlientInnen Anpassungsfähigkeit und -willigkeit.

Alle drei Ebenen gehören untrennbar zusammen und schaffen gemeinsam erst das, was allgemein "Integration" genannt wird.